Weiterbildung – Welche Institution ist die für mich geeignete?

Die Auswahl an Weiterbildungsmöglichkeiten ist in der Gynäkologie und Geburtshilfe sehr groß. Dabei kann es zu Beginn schwierig sein, einen Überblick zu erhalten und eine geeignete Weiterbildungsstätte für sich zu finden. Um eine Weiterbildungsstelle zu finden, die Ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht, empfehlen wir Ihnen, das facettenreiche Fach erst einmal durch Famulaturen, Hospitationen und/oder PJ-Tertiale kennenzulernen. Auf diese Art und Weise gewinnen Sie nicht nur weitreichende Einblicke in die verschiedenen Tätigkeitsfelder, sondern können gleichzeitig die unterschiedlichen Weiterbildungsstätten kennenlernen.

Informieren Sie sich vorab über die Weiterbildungsbefugnis unterschiedlicher Institutionen. Hierfür empfehlen wir Ihnen die Internetpräsenz der entsprechenden Landesärztekammer (LÄK) unter dem Bereich Weiterbildung zu besuchen. Nicht alle Kliniken besitzen die volle Weiterbildungsberechtigung. Es ist möglich, einen Teil der Weiterbildung im ambulanten Bereich zu absolvieren, auch hier sollten Sie sich genauestens über die entsprechende Weiterbildungsermächtigung informieren.

Die Bundesärztekammer (BÄK) und Landesärztekammern haben zuletzt 2011 eine Evaluation der einzelnen Weiterbildungsstätten durchgeführt. Unter www.evaluation-weiterbildung.de/ finden Sie die Bewertung der einzelnen Weiterbildungsstätten. Sollten Sie Ihre Arbeitsstätte nicht in der  Evaluation einsehen können, so haben nicht genügend Assistenten/-innen an der Befragung teilgenommen oder der Weiterbildungsberechtigte hat einer Veröffentlichung der Daten nicht zugestimmt.

Als hilfreich gelten auch einrichtungsbezogene Evaluationsdaten aus dem Projekt "Evaluation der Weiterbildung" der Bundesärztekammer, freier Onlineportale oder der Berufsverbände,  z. B. "Kliniknavigator".

Beispiel einer evaluierten Ausbildungsklinik

Sehen Sie hier eine Evaluation der Weiterbildung in Deutschland

Der Weg zur Weiterbildung in die richtige Klinik

Die Arbeit an einer Klinik ist sehr lehrreich, abwechslungsreich und spannend, doch auch fordernd. Bevor man sich daher für eine Bewerbung an einer Klinik entschließt, sollte man wichtige Fragen für sich geklärt und ehrlich beantwortet haben. Diese sind z. B.:

  • Soll ich nicht doch meine begonnene Doktorarbeit vor Antritt der ersten Stelle abschließen?
  • Besteht bei mir die Bereitschaft dauerhaft Nachtdienste zu leisten (auch noch mit 45 Jahren)?
  • Wie sieht meine Familienplanung aus und lässt sich das in dieser Klinik so verwirklichen?
  • Was will ich eigentlich beruflich erreichen?
  • Wo will ich in 15 Jahren beruflich stehen?
  • Warum bewerbe ich mich ausgerechnet an dieser Klinik?
  • Welchen weiteren beruflichen Werdegang könnte ich mir später vorstellen? Gibt es an der Klinik bzw. in der Umgebung die entsprechenden Möglichkeiten?

Im Bewerbungsgespräch

Es ist sinnvoll, sich vor einem Bewerbungsgespräch über das Fach “Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ und die Möglichkeiten der Weiterbildung an der jeweiligen Institution informiert zu haben.
Sicherlich wird der Weiterbildungsberechtigte im Rahmen eines Bewerbungsgespräches Ihnen die Frage stellen, warum Sie gerade in dieser Klinik arbeiten möchten. Hier sollten Sie sich im Vorfeld Gedanken gemacht haben sowie bestens über die Ausrichtung und die Schwerpunkte der entsprechenden Bewerbungsstelle informiert sein.
Um Ihr gesteigertes Interesse zu bekunden, sollten auch Sie während eines Bewerbungsgespräches detaillierte Fragen stellen und sich über die Modalitäten zur Weiterbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in dieser Klinik informiert haben.

Mögliche Fragen Ihrerseits könnten sein:

  • Kann der ganze Weiterbildungskatalog durch die Klinik vermittelt werden?
  • Wenn nicht, gibt es entsprechende Rotationsmöglichkeiten in Kliniken oder Praxen?
  • Existiert ein Logbuch?
  • Gibt es interne Fortbildungen?
  • Wenn Weiterbildungsinhalte durch den Besuch von externen Kursen vermittelt werden müssen, wer übernimmt die Kosten?
  • Wer trägt die Kosten für den Kurs “Psychosomatische Grundversorgung“?
  • Ich interessiere mich besonders für […]. Besteht die Möglichkeit dieses Interesse an Ihrer Klinik zu vertiefen?
  • Ich habe gelesen, einer der Schwerpunkte dieser Klinik ist […]. Wie kann ich mich hier einbringen?
  • Besteht die Möglichkeit Forschung zu betreiben?

Weitere Informationen zur Facharztausbildung “Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ entnehmen Sie bitte dem Vortrag “Facharzt Frauenheilkunde und Geburtshilfe“, welchen Sie als pdf-Dokument hier (Link folgt) finden.

Wichtige Informationen zur Eignung einer Weiterbildungsstätte kann man im Gespräch mit dem potentiellen Weiterbilder/Weiterbilderin und den Kollegen vor Ort, beispielsweise im Rahmen von Hospitationen, erwerben. Auch der Kontakt zu Assistenten/-innen vor Ort kann helfen.

Weiterbildung – Dauer und ihre geforderten Inhalte

Wir nehmen an, dass Sie sich für die Spezialisierung in dem Fachgebiet “Gynäkologie und Geburtshilfe“ entschieden haben.

Für Erfolg und Dauer der Weiterbildung sind insbesondere die Auswahl einer geeigneten Weiterbildungsstätte, eine individuelle Planung und die Umsetzung der Weiterbildung wichtig.
Laut Muster-Weiterbildungsordnung (M-WBO) der Bundesärztekammer dauert die Weiterbildung im Fach “Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ summa summarum 60 Monate - sprich 5 Jahre.

Angerechnet werden können:

  • 6 Monate eines anderen medizinischen Gebietes,
  • bis zu 12 Monate in den Schwerpunktweiterbildungen des Gebietes,
  • bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich.

Die Ausbildung erfordert die Erbringungen gewisser Leistungszahlen. Sehen Sie Hier die Zahlen.

Daneben sollen eine Vielzahl von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten erlernt werden, die jedoch nicht mit Richtzahlen angegeben werden. Hier empfiehlt sich das Studium der Weiterbildungsordnung.  Zusätzlich ist gemäß §4 Abs. 8 ein 80-stündiger Kurs in Psychosomatischer Grundversorgung nachzuweisen.

Wer bildet aus – Regularien

Weiterbilden darf, wer durch die Landesärztekammer weiterbildungsermächtigt ist. Eine Auflistung der Weiterbildungsermächtigten stellen die Landesärztekammern auf Ihren Webseiten oder auf Anfrage zur Verfügung. Sie weisen auch den Umfang der Ermächtigung aus.

Bereits bei der Auswahl einer geeigneten Weiterbildungsstätte oder eines Weiterbilders ist die Kenntnis der Fachweiterbildungsinhalte hilfreich.

Maßgeblich sind die Weiterbildungsordnungen (WBO) der jeweils zuständigen Landesärztekammer, die sich an die M-WBO anlehnen. Entscheidend ist dabei nicht der eigene Wohnort, sondern die für die Arbeitgeberin/den Arbeitgeber zuständige Kammer. Eine Übersicht der Adressen der Landesärztekammern bietet die Webseite der BÄK unter www.baek.de.
Die Weiterbildungsordnungen, die sich in die Abschnitte A (Paragraphenteil), B (Gebiete-, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen) und C (Zusatzweiterbildungen) gliedern, regeln die allgemeinen Voraussetzungen.

In den "Richtlinien", die oft "Facharzt-Katalog" oder der operative Anteil daraus "OP-Katalog" genannt werden, werden die für die Anmeldung zur Facharztprüfung erforderlichen Zahlen genannt.

Achtung, die Richtlinien können bei den unterschiedlichen LAEK unterschiedliche Zahlenwerte enthalten. Entscheidend ist die Erfüllung der WBO-Anforderungen, die in der die Facharztprüfung abnehmenden LAEK gelten.

Bei Änderungen an WBO oder Richtlinien kann in der Regel zwischen allen seit Beginn der eigenen Weiterbildung gültigen Fassungen gewählt werden. Eventuell geltende Übergangsvorschriften sind zu beachten.
Die meisten Ärztekammern stellen die Richtlinien in Tabellenform zur Verfügung. Auch darin kann der eigene Kenntniszugewinn übersichtlich dokumentiert werden.
Alle WBO regeln den Anspruch des Assistenten auf mindestens ein jährliches Weiterbildungsgespräch mit seinem Weiterbilder und dessen Dokumentation Darüber hinaus ist in einigen WBO ein Anspruch auf die Vorlage von Rotationsplänen geregelt.

Wir empfehlen, im Rahmen der Weiterbildungsgespräche die Dokumentation des Weiterbildungsfortschrittes durch den Weiterbilder im Logbuch bestätigen zu lassen.
Für Fragen zur konkreten Ausgestaltung und Anerkennung der Weiterbildung stehen in den Landesärztekammern Ansprechpartner für Belange der Weiterzubildenden zur Verfügung. Dort sollten in jedem Fall Fragen zu folgenden Themen vor Aufnahme entsprechender Tätigkeiten erörtert werden können:

Mögliche Sonderregelungen während der Weiterbildung

  • Weiterbildung in Teilzeit, Änderungen des Arbeitsvertrages
  • Eltern(teil)zeit
  • gleichzeitige Weiterbildung bei verschiedenen Arbeitgebern
  • Wechsel der LÄK-Zuständigkeit bei Arbeitgeberwechsel
  • Anerkennung von im Ausland absolvierten Weiterbildungsabschnitten
  • Anerkennung von Weiterbildungsabschnitten in anderen Fachgebieten

Um trotz unterschiedlicher Richtlinien den Überblick über die noch zu erlernenden Weiterbildungsinhalte zu behalten, stellt die DGGG ein Logbuch zur Verfügung. Mittlerweile besitzen viele Kliniken eigene Logbücher, die sich an das Logbuch der DGGG anlehnen. Das Logbuch erleichtert zudem die Anerkennung von Inhalten bei Wechsel des Weiterbilders oder der LÄK.

Tipps

  • Die Auslegung der WBO variiert. Wir empfehlen daher, sich die Auskünfte schriftlich und nach jedem Kammerwechsel durch die neue LÄK bestätigen zu lassen.
  • Die einzige verpflichtende Kursweiterbildung ist bereits genannter Psychosomatik-Kurs. Dieser besteht aus 20 Theoriestunden und 30 Stunden verbaler Interaktion. Hinzukommen 30 Stunden Balintgruppe. Dieser Kurs ist meist interdisziplinär organisiert und je nach Anbieter recht kostenintensiv.

Aus diesen Gründen haben Mitglieder des Jungen Forums in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG e.V.) spezielle Angebote für angehende Frauenärzte etabliert. Anfallende Kursgebühren werden jedoch nur von einigen Weiterbildern erstattet.

Aktuelle Informationen zum Kursangebot enthalten die Portale der Deutschen Akademie für Gynäkologie und Geburtshilfe (DAGG) und der Frauenärztlichen Bundesakademie (FBA) sowie der Fachgesellschaften und wissenschaftlichen Arbeitsgruppen.

Wir wünschen Ihnen alles Gute bei Ihrer Weiterbildung zum Facharzt “Frauenheilkunde und Geburtshilfe“. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne per E-Mail zur Verfügung: junges-forum@dggg.de

Ihr/Euer Junges Forum der DGGG

Kursangebote

Basiskurs: „Psychosomatische Grundversorgung“
Der einzige Pflichtkurs, den jede Assistenzärztin und jeder Assistenzarzt im Rahmen der Facharztausbildung absolvieren muss, ist die Ausbildung in der Psychosomatischen Grundversorgung. Dieser Kurs beinhaltet 80 Stunden Kursteilnahme (20h Theorie, 30h verbale Interaktion, 30h Balint-Gruppe).  Die meisten Kursangebote für die psychosomatische Grundversorgung richten sich neben dem Fachbereich der Gynäkologie und Geburtshilfe auch an diverse andere Fachbereiche; dementsprechend ist dieser Kurs wenig spezialisiert und nur mäßig auf die Bedürfnisse unseres Fachbereiches zugeschnitten. In Kooperation mit dem Jungen Forum der DGGG e.V., der DAGG und der DGPFG wurde ein speziell für Gynäkologen entwickelter Kurs zur psychosomatischen Grundversorgung deutschlandweit etabliert (20h Theorie, 30h verbale Interaktion an 3 Wochenenden).  Dieser Kurs ist bereits seit einigen Jahren fest etabliert und erfreut sich großer Nachfrage.  Die Kurse finden in Erlangen, Heidelberg, Berlin sowie in München statt. Termine und Anmeldung zu den aktuellen Kursen sind über uns, die DGPFG und unter www.if-kongress.de ersichtlich. 

Basiskurs: „Geburtshilfe“
Ein weiterer gut etablierter Kurs ist der Basiskurs Geburtshilfe. An zwei Tagen werden Assistenzärztinnen und Assistenzärzte im Bereich der Geburtshilfe in den wichtigsten theoretischen Grundlagen sowie v.a. im praktischen Bereich geschult. Das qualitativ hochwertige interaktive Simulationstraining erfreut sich größter Beliebtheit sowohl bei Kreißsaal-Anfängern als auch bei erfahrenen Kreißsaal-Assistenzärztinnen/-Ärzten und bietet eine adäquate Vorbereitung auf die Zeit im Kreissaal. Die wichtigsten theoretischen geburtshilflichen Grundlagen und Krankheitsbilder werden den Kursteilnehmern von erfahrenen Geburtshelfern durch aktive Mitarbeit nahe gebracht. Hinsichtlich der theoretischen Wissensvermittlung werden die Anforderungen des Facharztkatalogs im Bereich Geburtshilfe komplett abgedeckt. Die Kurse werden bisher in Erlangen, München und Düsseldorf und Wuppertal angeboten. Da diese Kurse stets aus- bis überbucht sind, ist die Erweiterung des Kurses auf andere deutschlandweite Kliniken geplant. Informationen und Termine können unter www.if-kogress.de eingesehen werden. 

Basiskurs: „Grundkurs MIC“
Dieser Basiskurs zur minimal invasive Chirurgie (MIC) in der Gynäkologie ist verhältnismäßig neu im Kursangebot des Jungen Forums. Vor allem im Bereich der operativen Gynäkologie haben Assistenzärztinnen und Assistenzärzte eine hohe Erwartung an ihre Ausbildung. Im klinischen Alltag gestaltet sich die Erfüllung des OP-Kataloges für den Facharzt nicht einfach, bestehende Kurse im Bereich der operativen Gynäkologie richten sich überwiegend an bereits versierte Operateure; Berufsanfänger kommen oft zu kurz. Deshalb bietet das Junge Forum gemeinsam mit der AGE die Teilnahme an zertifizierten MIC-I-Kursen speziell für Ärzte in Weiterbildung an, welche auf die Belange junger Kollegen und Kolleginnen ausgerichtet werden. Überwiegend praktische Übungen in grundlegenden endoskopischen Operationstechniken an Simulationstrainern sowie die Teilnahme am OP-Programm stehen hier im Vordergrund. Im theoretischen Teil werden die für die Assistenzarztzeit wichtigsten Instrumente, Nahttechniken und Operationsschritte erarbeitet. Stattfinden wird dieser Kurs auch dieses Jahr an der Universitätsfrauenklinik in Homburg  Nächster Termin: 23.+24.10.2017, Anmeldungen unter weitere Informationen über die Sprecher des Jungen Forums. 

Basiskurs: „Endokrinologie“
Erstmals wird dieses Jahr ein vom Jungen Forum der DGGG e.V. initiierter Basiskurs Endokrinologie stattfinden. Der Schwerpunktbereich der Endokrinologie und Reproduktionsmedizin ist wesentlicher Bestandteil unseres Fachbereiches, zu dem viele Ärztinnen und Ärzte im Rahmen ihrer Aus- und Weiterbildung nur erschwert Zugang finden. Nicht jede Klinik bietet entsprechende Spezialsprechstunden oder die Möglichkeit zur Rotation in endokrinologische/reproduktionsmedizinische Zentren an. Dabei ist der Umgang mit dem weiblichen Hormonhaushalt wesentlicher Bestandteil in der Behandlung der Frau. Im Rahmen dieses Basiskurses wird ein grundsätzliches Verständnis für die weiblichen Hormone sowie die wichtigsten Krankheitsbilder und deren Behandlung erarbeitet. Neben der Endokrinologie liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem Verständnis der grundlegenden Behandlungsprinzipien in der Kinderwunschsprechstunde. Erstmals wird der Basiskurs Endokrinologie dieses Jahr in Düsseldorf stattfinden. (Termine noch ausstehend)   

In Planung: Urogynäkologie, Onkologie, Notfallmanagement
Da sich unsere bisherigen Kurse so gut etabliert haben und großen Zuspruch finden, wurde im Konsens beschlossen, die Gruppe der Basiskurse um drei weitere wichtige Themen zu erweitern: Grundkurs Urogynäkologie, Grundkurs gynäkologische Onkologie und Grundkurs Notfallmanagement in der Gynäkologie. Über den Entwicklungsstand dieser Kurse wird das Junge Forum der DGGG e.V. regelmäßig informieren.