Paracetamol während der Schwangerschaft und Autismusrisiko? – Keine Evidenz für kausalen Zusammenhang
Die Internationale Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) hat in einem aktuellen Statement bekräftigt, dass es keine Evidenz für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol (Acetaminophen) während der Schwangerschaft und einem damit assoziierten Autismusrisiko bei Kindern gibt. Ähnliche Stellungnahmen gaben als Reaktion auf Äußerungen von US-Präsident Trump die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und die zuständige US-amerikanische Fachgesellschaft American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) ab.
Berlin, im September 2025 – Entschieden widersprochen hat die FIGO in einer Stellungnahme Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der am 22. September behauptet hatte, dass die Einnahme von Paracetamol (auch bekannt als Acetaminophen) während der Schwangerschaft mit Autismus bei Kindern in Verbindung steht. „Diese Ankündigung stelle eine besorgniserregende Abweichung von evidenzbasierten medizinischen Leitlinien dar und erfordere eine sofortige professionelle Reaktion seitens der Geburtshilfe- und Gynäkologie-Fachwelt”, so die FIGO.
Präsident Trump hatte erklärt, dass die Food and Drug Administration (FDA) Ärzte darüber informieren werde, dass die Einnahme von Acetaminophen während der Schwangerschaft mit einem stark erhöhten Autismusrisiko verbunden sein kann, und riet schwangeren Frauen, mit aller Kraft dagegen anzukämpfen, es einzunehmen. „Die Regierung bezog sich dabei selektiv auf Studien, darunter die 2025 in BMC Environmental Health veröffentlichte Übersichtsarbeit von Prada et al., die als methodisch mangelhaft dokumentiert sind ”, heißt es indem FIGO-Statement.
„Diese Aussagen widersprechen den etablierten medizinischen Leitlinien der weltweit führenden Geburtshilfeorganisationen, die Paracetamol bei sachgemäßer Anwendung durchweg als sicherstes Analgetikum für Schwangere empfehlen”, erklärt die FIGO.

Die umfassendsten und methodisch ausgefeiltesten Erkenntnisse zu diesem Thema stammten aus einer schwedischen bevölkerungsbasierten Studie, die im April 2024 in JAMA veröffentlicht wurde und 2,48 Millionen zwischen 1995 und 2019 geborene Kinder analysierte, so die FIGO. Die Ergebnisse der schwedischen Studie seien eindeutig: Wenn familiäre Störfaktoren durch Geschwisteranalysen angemessen kontrolliert wurden, gab es keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Autismus Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder geistiger Behinderung im Zusammenhang mit der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) teilt mit, dass in der Europäischen Union (EU) der Einsatz von Paracetamol in der Schwangerschaft unverändert empfohlen werde, weil sich an der Evidenzlage nichts geändert habe. „Bei Bedarf kann Paracetamol während der Schwangerschaft angewendet werden. Wie jedes Arzneimittel zur Akutbehandlung sollte es in der niedrigsten wirksamen Dosis, über den kürzestmöglichen Zeitraum und so selten wie möglich angewendet werden”, so die EMA. Auch die zuständige US-amerikanische Fachgesellschaft American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) hatte auf die Evidenzlage verwiesen. „Acetaminophen ist eine der wenigen Optionen, die schwangeren Patientinnen zur Behandlung von Schmerzen und Fieber zur Verfügung stehen, die unbehandelt für Schwangere schädlich sein können”, stellt das ACOG fest.
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