FAQ Sectionarbendefekte
In Deutschland wird derzeit jedes dritte Kind per Sectio (Kaiserschnitt) geboren. Sectionarbendefekte sind eine häufige, aber oft übersehene Folge des Kaiserschnitts. Eine sorgfältige Diagnostik, individuelle Therapie und optimierte Operationstechniken können Beschwerden reduzieren und möglicherweise die Fruchtbarkeit verbessern.

Diese häufig gestellten Fragen haben unsere Expertinnen und Experten beantwortet:
Ein Sectionarbendefekt ist eine strukturelle Veränderung der Gebärmutterwand im Bereich der Uterusnarbe nach einem Kaiserschnitt.
Typisch ist eine Einkerbung oder Aussackung der Vorderwand der Gebärmutter, häufig als sogenannte „Nische“ (Isthmozele) sichtbar. Diese Veränderung kann:
- Blut oder Schleim zurückhalten
- die Stabilität der Gebärmutterwand vermindern
- Beschwerden oder Fruchtbarkeitsprobleme verursachen
Ja, man unterscheidet mehrere Formen:
1. Klassische Nische (die häufigste Form):
- Einkerbung von Endometrium und Myometrium
- messbare Tiefe
- häufig mit Flüssigkeitsansammlung
2. Dehiszenter Wanddefekt (hier ist die Gebärmuttervorderwand so stark ausgedünnt, dass kaum noch Wandgewebe vorhanden ist)
Folge kann sein:
- ein Abknicken der Gebärmutter nach hinten.
3. Adhäsionsbedingte Deformation
Bei starken Verwachsungen zwischen Uterus und Bauchwand:
- bleibt der Uterus trotz Defekt gestreckt
- oder erscheint verdreht (torquiert).
Diese Fälle sind diagnostisch besonders schwierig.
Im Jahr 2023 wurde ein Krankheitsbild beschrieben, dass Caesarean Scar Disorder (CSD) genannt wird, zu Deutsch „Sectionarbenkrankheit“. Hierbei handelt es sich um ein Krankheitsbild, das als Folge einer Sectioentbindung entstanden ist. Von der WHO wurde die CSD mit der Nummerierung N85A in die ICD-Klassifikation aufgenommen.
Von einer CSD spricht man, wenn:
- eine sonografisch nachweisbare Nische vorliegt und
- typische Beschwerden nach einem Kaiserschnitt auftreten
Primäre Symptome sind:
- postmenstruelles Spotting
- Dysmenorrhoe
- unerklärte Sterilität mit intrauteriner Flüssigkeit
- technische Probleme beim Embryotransfer
Sekundäre Symptome können sein:
- Dyspareunie
- vermehrter vaginaler Fluor
- chronische Unterbauchschmerzen
- negatives Körperbild
- Einschränkungen im Alltag/Freizeitverhalten
Die häufigsten Beschwerden sind:
- Postmenstruelles Spotting (Schmierblutungen nach der Menstruation)
- tritt bei 20–61 % der Patientinnen mit Sectionarbendefekt auf
- entsteht durch Blutstau in der Nische.
- Dysmenorrhoe (Schmerzhafte Menstruation)
- tritt bei etwa 40 % der Patientinnen auf
- verursacht durch:
- uterine Inflammation (Entzündung der Gebärmutter)
- gestörte Uteruskontraktilität
- sekundäre Endometriose
- Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr)
- Chronische Unterbauchschmerzen
- Ungewöhnlicher vaginaler Ausfluss
Folgen einer Sectionarbenkrankheit wie eine Narbenschwangerschaft, eine Placenta percreta oder Uterusruptur stellen klinische Konsequenzen dar. Auch Fehlgeburten werden diskutiert.
Sectionarbendefekte können mit sekundärer Sterilität assoziiert sein.
Mögliche Ursachen:
- Flüssigkeit im Uterus beeinträchtigt die Implantation
- gestörte Spermienmigration
- chronische Entzündung des Endometriums
- erhöhter Eisengehalt im Uterus
- verändertes uterines Mikrobiom
- anatomische Veränderungen der Gebärmutter
Frauen, die sich mit CSD vorgestellt und eine operative Sanierung erhalten haben, werden innerhalb einer definierten Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit schwanger.
Sectionarbendefekte werden zunehmend als Sonderform der Endometriose betrachtet. Endometrium kann sich an drei Stellen außerhalb des Cavum uteri (Gebärmutterinnenwand) befinden:
- im Myometrium
- durch Einschluss von Endometrium bei der Allschicht-Naht
- im Nischengrund
- durch Menstruationsblutstau
- im Bauchraum
- durch retrograde Menstruation bei Retroflexion (Rückfluss von Menstruationsblut durch die Eileiter in die Bauchhöhle)
In Studien fanden sich bei etwa 48 % der Patientinnen Endometrioseherde.
Die wichtigste Methode ist der transvaginale Ultraschall. Optimaler Untersuchungszeitpunkt:
- späte Follikelphase
In dieser Phase ist der Zervixschleim verflüssigt und der Defekt ist maximal sichtbar. Eine exakte präoperative Diagnostik in späten Follikelphase ist essenziell, um zu entscheiden, welche operative Methode für die einzelne Patientin angezeigt ist.
Mögliche Gründe hierfür sind:
- bessere Ultraschalldiagnostik
- höhere Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild
- Veränderungen in der Kaiserschnitttechnik
Ja, eine Operation eines Sectionarbendefektes lindert die Beschwerden von symptomatischen Frauen signifikant.
Studien zeigen eine
- deutliche Reduktion von Spotting
- kürzere Menstruationsdauer
- weniger Schmerzen
- höhere Patientenzufriedenheit
Bei infertilen Patientinnen werden postoperativ hohe Schwangerschaftsraten beobachtet.
Hysteroskopischer Repair
- Minimalinvasiver Eingriff über die Gebärmutterhöhle für kleine Defekte
Laparoskopischer oder robotischer Repair
- Minimalinvasive Bauchoperation
Vorteile u.a.:
- Rekonstruktion der Uteruswand
- Behandlung von Endometriose
- Lösung von Verwachsungen
Offen-chirurgischer Repair (z.B.: vaginal, abdominal)
- Besonders geeignet für größere Defekte
Die Methoden können auch kombiniert angewendet werden, beispielsweise beim sog. „3-Step-Regensburg Approach“
Die Prävention beginnt nach aktuellem Kenntnisstand bei der OP-Technik beim Kaiserschnitt.
Mögliche präventive Maßnahmen:
- zweischichtige Uterusnaht
- kein Einschluss von Endometrium
- Verschluss der Uterusserosa
- Verschluss des Peritoneums
- sorgfältige Adaptation der Wundränder
- Dilatation des Muttermundes
Studien zeigen, dass eine optimierte Technik zu einer Senkung der Sectionarbendefekte beitragen kann.
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