Empfehlungen zur Betreuung von weiblichen Vergewaltigungsopfern veröffentlicht

 „Empfehlungen zur Betreuung und Versorgung von weiblichen mutmaßlich Stuprum-Betroffenen“ hat eine Redaktionsgruppe um Prof. Dr. Matthias David in der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Ausgabe April 2022, veröffentlicht. Eine Vergewaltigung (lat. Stuprum) ist ein medizinischer Notfall. Der ärztlichen Versorgung mutmaßlich Stuprum-Betroffener kommt eine besondere Wichtigkeit zu, da diese einerseits den Heilungs- und Verarbeitungsprozess nach einem solchen einschneidenden Ereignis positiv beeinflussen kann und andererseits Ärztinnen und Ärzte in diesem Zusammenhang die am häufigsten konsultierten professionellen Helferinnen bzw. Helfer sind.

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Eine Vergewaltigung (lat. Stuprum) ist ein medizinischer Notfall. Die neuen Empfehlungen sollen die ärztliche Versorgung mutmaßlich Stuprum-betroffener Frauen verbessern.

Berlin, im April 2022

In der Bundesrepublik Deutschland erleben laut Prävalenzstudien mindestens 5 % aller Frauen in ihrem Leben eine Vergewaltigung, heißt es in der Stellungnahme. Dies habe, individuell unterschiedlich ausgeprägt, gravierende Folgen für die

  • körperliche Gesundheit (unmittelbar: akute Verletzungen, Infektion mit sexuell übertragbaren Erkrankungen, Schwangerschaft; langfristig: psychosomatische Erkrankungen wie chronische Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhö, gestörte Menstruationsblutungen, Dyspareunie, sexuelle Dysfunktionen, Zervixdysplasien und -karzinome, Alkohol-, Tabak- und Drogenabusus) und die
  • psychosoziale Gesundheit (z. B. Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Beziehungsschwierigkeiten, soziale Isolation)

der betroffenen Frauen.

Ärztliche Versorgung der von Vergewaltigung Betroffenen hat entscheidende Bedeutung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die entscheidende Rolle der medizinischen Erstversorgung nach sexualisierter Gewalt als Frühintervention und zur Bewältigung dieser Erfahrung betont. Eine empathische, nicht wertende sowie klinisch kompetente Erstversorgung wird von den Betroffenen als große Unterstützung erlebt und beeinflusst deren individuellen Heilungs- und Verarbeitungsprozess deutlich positiv.

Der ärztlichen Versorgung mutmaßlich Stuprum-Betroffener kommt eine besondere Wichtigkeit zu, da diese einerseits den Verarbeitungs- und Heilungsprozess nach einem solchen einschneidenden Ereignis positiv beeinflussen kann und andererseits Ärztinnen und Ärzte in diesem Zusammenhang die am häufigsten konsultierten professionellen Helferinnen bzw. Helfer sind.

Die Erstversorgung nach Stuprum setzt sich aus drei Anteilen zusammen:

  • der medizinisch-forensischen Untersuchung sowie
  • der medizinischen und
  • der psychischen Versorgung.

Auf die einzelnen Anteile wird detailliert in der Stellungnahme eingegangen. Ebenfalls werden Empfehlungen zur Nachbetreuung getroffen.

Methoden und Ziele der wissenschaftlichen Stellungnahme

Es erfolgte eine selektive Literaturrecherche sowie die Erarbeitung eines Konsensus unter repräsentativen Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen in einem mehrstufigen Verfahren.

Ziel der Stellungnahme ist es, einen Beitrag zur weiteren Verbesserung und Standardisierung der ärztlichen Versorgung mutmaßlich Stuprum-betroffener Frauen zu leisten.

Zur Stellungnahme:
Recommendations for Care and Support of Female Rape Victims (Empfehlungen zur Betreuung und Versorgung von weiblichen mutmaßlich Stuprum-Betroffenen) in der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde (GebFra), 4/2022

Zur Stellungnahme in deutscher Sprache:
Empfehlungen zur Betreuung und Versorgung von weiblichen mutmaßlich Stuprum-Betroffenen

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