Von der Vision zur Impfung, Prof. Harald zur Hausen erhält für seine Entdeckung und Forschung der humanen Papillomaviren den Medizinnobelpreis

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Berlin, im

Prof. Harald zur Hausen erhält für seine Entdeckung und Forschung der humanen Papillomaviren* den Medizinnobelpreis

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gratuliert Prof. Harald zur Hausen zu dem Medizinnobelpreis 2008 für seine herausragenden wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Krebsforschung. Prof. Rolf Kreienberg, Präsident der DGGG, würdigt den Krebsforscher: "Harald zur Hausen ist ein Ausnahmeforscher. Von der Vermutung bis zur Gewissheit, dass Viren ursächlich an der Entstehung von Krebs beteiligt sind, bedurfte es einer Vision, eines langen Atems und großer Hartnäckigkeit in der Forschung. Zur Hausen ist das Beispiel einer einzigartigen Karriere eines Wissenschaftlers, der sich von seinem Ziel nicht abbringen lässt. Dank seiner Forschungen können wir Gebärmutterhalskrebs vermeiden, frühzeitig erkennen und schonend therapieren."

Vor ca. 40 Jahren hatte Prof. Harald zur Hausen erstmals den Verdacht, dass Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen. Seit 1972 forschte er gezielt nach einem Beweis, der 1976 gelang. 1982 und 1983 konnten die Papillomavirustypen HPV 16 und HPV 18 als die verantwortlichen Virustypen für Gebärmutterhalskrebs isoliert werden. Die Virusinfektion an sich stellt kein akutes Alarmsignal dar, die Zellen können aber zu einem späteren Zeitpunkt entarten und zu Gebärmutterhalskrebs führen.

6.500 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an dem Zervixkarzinom, ca. 1.600 sterben daran. Bereits 2006 auf ihrem Kongress in Berlin hat die DGGG die Bedeutung der Forschungen zur Hausens besonders gewürdigt. Die DGGG hat unter der Leitung von Prof. Klaus Friese, 1. Vizepräsident der DGGG, die Leitlinie zur "Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale" erarbeitet. "Es ist unser Ziel, die Frauen so frühzeitig wie möglich und schonend zu behandeln", so Klaus Friese, "durch den HPV-Test können wir Vorstufen erkennen, die wir therapieren können und damit können wir spätere große Operationen vermeiden".

Forschungen haben zu einem Impfstoff geführt, der von der DGGG gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Kinder und Jugendmedizin seit 2006 empfohlen wird. Die Dreifach-Impfung wird auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) angeraten und von den Krankenkassen vom 12. bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres bezahlt. Prof. Walter Jonat, 2. Vizepräsident der DGGG, rechnet durch die Impfung mit einer Reduzierung des Zervixkarzinoms von bis zu 70 Prozent.

*Humane Papillomviren (Abkürzung HPV) sind Viren, die Zellen der Haut- und/oder der Schleimhaut infizieren. Von den bislang 118 bekannten HPV-Typen, befallen ca. 40 HPV-Typen vorrangig die Geschlechtsteile und den After. Sie werden als genitale HPV-Typen bezeichnet. Je nach Virustyp kann eine Infektion zu harmlosen Genitalwarzen oder zu auffälligen Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Vulva, Penis oder After führen. Meistens verursachen sie keine Symptome. Die häufigste durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist Gebärmutterhalskrebs.

Zur Person:
1936 geboren, studierte Harald zur Hausen Medizin an den Universitäten Bonn, Hamburg und Düsseldorf. 1969 habilitierte sich zur Hausen an der Universität Würzburg. 1972 erhielt er einen Ruf an den Lehrstuhl für Klinische Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1977 wechselte er an die Universität Freiburg. 1983 bis 2003 war Harald zur Hausen Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Seit fünf Jahren ist zur Hausen emeritiert. Er ist weiterhin Chefredakteur der Fachzeitschrift "International Journal of Cancer".
Anfragen an:
Prof. Dr. Rolf Kreienberg, Universitätsfrauenklinik Ulm (Tel. 0731/500 - 27601)
Prof. Klaus Friese, Kliniken Maistr. und Großhadern in München (Tel.089/ 7095-4531)
Prof. Dr. Walter Jonat, Universitätsfrauenklinik Kiel (Tel. 0431/ 597 2040).
Download der Pressemeldungen und Leitlinie unter www.dggg.de,
weitere Informationen unter www.dkfz.de
Wiedergabe der Meldung unter Nennung der Urheberschaft und Bezugquelle,
Belegexemplar erbeten.

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