Ein Interview mit dem Präsidenten Professor Rolf Kreienberg „Hervorragende neue Medikamente und Techniken“

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Berlin, im

Vom 5. bis 8. Oktober 2010 findet in München der DGGG-Kongress mit
rund 4.500 Teilnehmern statt. In welchen Bereichen der Gynäkologie
und Geburtshilfe gibt es denn Neuigkeiten?

Wir werden hervorragende Innovationen und spannende Neuigkeiten im Bereich der Medikamente und der Technik auf dem Kongress präsentieren. Zum Beispiel existieren neue laparoskopische Methoden zur Entfernung von Myomen (gutartige Muskelgeschwulste in der Gebärmutter) und bösartigen Tumoren. Anstelle von bisher drei Schnitten, reicht nunmehr ein kleiner Schnitt zum Operieren. Wir haben exzellente neue OP-Techniken und Materialien in der plastischen Brustchirurgie entwickelt. Auch im Bereich der assistierten Reproduktion und der Fertilitätserhaltung dürfen wir uns über eine Reihe von vielversprechenden Innovationen freuen. Vor allem in der Onkologie stellen wir viele erstklassige Medikamente vor. Dies sind vor allem Antikörper und hormonelle Substanzen.

Wie profitieren konkret die Frauen in Deutschland vom DGGG-Kongress in München?

Der Kongress dient ausschließlich dem Wohle unserer Patientinnen. Die Frau als Patientin ist stets Mittelpunkt unseres ärztlichen Denkens und Handelns. Er bietet Fort- und Weiterbildung für meine Kolleginnen und Kollegen auf höchstem Niveau. Die Gynäkologinnen und Gynäkologen transportieren das neue Wissen über neue Medikamente und OP-Methoden in die Kliniken und Praxen. Ebenso geben sie neueste medizinische Erkenntnisse und ihre neuen Fertigkeiten direkt an die Patienten weiter. Sie werden von brandaktuell informierten Ärzten behandelt, profitieren von innovativen Methoden und dem Einsatz der neuesten Medikamente.

Macht denn im Zeitalter von Video-Konferenzen, E-Mails und sozialen Netzwerken so ein großer Kongresse noch Sinn?

Ja! Das hat fachliche und politische Gründe. Kolleginnen und Kollegen können bei Diskussionen mit Experten viel direkter teilnehmen. Die Barriere, sich zu äußern, ist im direkten Austausch wesentlich geringer. Der Austausch, auch der über die politischen Entwicklungen des Faches, fällt so leichter. In keiner Video-Konferenz wird Ärztinnen und Ärzten das geboten, was sie in München in vier Tagen in konzentrierter Form zu hören und zu sehen bekommen. Jeder kann sich auf dem Kongress sein persönliches Programm zusammenstellen. Hier kann er neue Erkenntnisse gewinnen oder bereits vorhandenes Wissen vertiefen.

Sie beschäftigen sich intensiv mit den Belangen der
Gynäkologinnen, speziell mit dem Thema Familie und Karriere. Denn
mittlerweile ist der Großteil der Gynäkologen weiblich. Sind Frauen
die besseren Frauenärzte?

Die fachliche und empathische Kompetenz ist sicher keine Frage des Geschlechts. Wir brauchen in Deutschland hervorragend ausgebildete, kompetente, sensible und kommunikative Frauenärztinnen und -ärzte. All dies ist vor allem eine Frage der Qualifikation. Indes müssen wir uns der erfreulichen Herausforderung stellen, dass der Großteil des frauenärztlichen Nachwuchses Frauen sind! Hervorragend ausgebildete Frauen! Allerdings bekommen die meisten Frauen Kinder und kehren nach der Elternzeit meistens in Teilzeit zurück in den Job – wenn überhaupt. Viele dieser Frauen werden letztlich weder Ober- noch Chefärztin. Uns droht also ein massives Nachwuchsproblem. Und hier sehe ich mich in der Verantwortung: Wir müssen für Frauen die Arbeitsbedingungen schaffen, die sie brauchen, um mit Kindern ihrem Beruf nachgehen zu können und zu wollen. Es gilt, die qualifizierten Frauen in Deutschland in den Kliniken und Praxen zu halten.

Sie sind seit 1980 Frauenarzt. Wie hat sich die Patientin in den letzten 30 Jahren verändert?

Das Verhältnis zwischen Arzt und Patientin hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Die Patientin ist wesentlich aufgeklärter, informierter und selbstbewusster und wird dadurch zur Partnerin im Dialog mit dem Arzt oder der Ärztin. Das hat zur Folge, dass Ärzte heute förmlich jede nur mögliche seriöse Information brauchen. Denn sie sind anders gefordert als noch vor 40 Jahren. Im Rahmen des sogenannten „shared decision making“ (gemeinsame Entscheidungsfindung) geht es darum, nach eingehender Aufklärung, gemeinsam mit der Frau und nicht mehr für sie zu entscheiden. Deshalb ist der Kongress für Frauenärztinnen und -ärzte so wichtig, damit sie ihre Patientinnen noch selbstsicherer und auf höchstem Niveau informieren können. Ich bin mir sicher, dass unsere Aus-, Fort- und Weiterbildung die Frauenärztinnen und -ärzte bestens auf ihre anspruchsvollen Patientinnen vorbereitet.

Sind Frauen heute in Deutschland gut versorgt?

5.000 Gynäkologinnen und Gynäkologen arbeiten in den Kliniken und
10.000 in den niedergelassenen Praxen. Wir haben eine klare
Weiterbildungsstruktur, die ständig verbessert wird und deren Erfolge
kontrolliert werden. Im internationalen Vergleich können wir hervorragende
Zahlen aufweisen. Das gilt für die geringe Säuglingssterblichkeit genau wie
für die beeindruckenden Ergebnisse in der Onkologie und auf anderen
Gebieten. Insgesamt sind Frauen bei uns sehr gut versorgt. Dabei gebe ich
aber zu bedenken, dass die gute Versorgung nicht ganz allein in unserer
Hand liegt. Wir wünschen uns, dass Frauen noch mehr an
Früherkennungsangeboten teilnehmen. Hier appelliere ich an die
Selbstverantwortung der Frauen.

Jetzt dürfen Sie einmal träumen – Was hat die Gynäkologie und
Geburtshilfe 2050 erreicht?

Meine Träume beinhalten die Verminderung von Erkrankungen, die
Verbesserung der Ergebnisqualität und die finanzielle Realisation der
optimalen Versorgung. So leben 2050 alle Frauen gesund. Sie rauchen und
trinken nicht, bewegen sich viel und haben kein Übergewicht. Sie nehmen
sämtliche Vorsorgeangebote wahr. Darüber hinaus orientieren sich alle
Ärztinnen und Ärzte an den Leitlinien. Diese werden auch von den
Patientinnen akzeptiert. Außerdem ist 2050 die Finanzierung des
Gesundheitssystems gelungen und der Zugang zu innovativen Techniken
und Medikamenten jederzeit gegeben.

 

...und? Wird das klappen?

Eine starke DGGG wird das gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften
und Institutionen im Gesundheitssystem bewerkstelligen. Die Medien
können helfen, diese Träume zu verwirklichen. Meines Erachtens sollte
jede Redaktion einen bestimmten Prozentsatz Gesundheitsaufklärung
leisten. Das geschieht derzeit immer nur phasenweise. Aber wir Menschen
vergessen leider so schnell...

 

 

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Mitarbeiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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