DGGG Kongress 2012 - Brustkrebs-Therapie der Zukunft

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Berlin, im

Die Brustkrebserkrankung bleibt eine der großen Herausforderungen an den Frauenarzt und die Frauenärztin in Deutschland .Mehr als 72000 Neuerkrankungen im Jahr fordern von uns Ärzten das aktuelle Wissen um modernste Diagnoseverfahren und die therapeutischen Optionen, die uns zur Verfügung stehen, um die Erkrankung mit geringster Morbidität zu überstehen. 

Auf dem 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in München wurden in einer Keynote Lecture durch die derzeit weltweit bedeutendste Onkochirurgin Prof. Monica Morrow, Direktorin am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center New York, die neuesten Erkenntnisse zur operativen Radikalität bei Primärbehandlung vorgestellt. Die Tumorlast, die früher für das operative Vorgehen ausschlaggebend war, wird heute neu definiert. Entschieden früher die Tumorgroße und der Lymphknotenbefall über den Verlust oder Erhalt der Brust und die Ausräumung der Achselhöhle, wird heute die Tumorbiologie bis hin zur genetischen Signatur des Tumors auch bei der Radikalität der operativen Intervention berücksichtigt. Die Entfernung im Gesunden wird dadurch wesentlich besser definiert als durch die alleinige makroskopische oder mikroskopische Beurteilung. Die Bildgebung durch Kernspintomographie findet Berücksichtigung, verliert gegenüber den molekularen Prognoseparametern aber an Bedeutung. 

Die wichtigsten Fortschritte in der Systemtherapie, die in der adjuvanten Situation das Auftreten von Metastasen verhindern oder im Falle eines Fernrezidivs das Leben verlängern sollen, erreichen nach ausführlichen Prüfungen in internationalen Studien zunehmend den klinischen Alltag. Neue zielgerichtete Therapeutika, die so genannte Target-Therapie, wurde durch deutsche Wisenschaftler in Kooperation mit internationalen Studiengruppen überprüft und zur Zulassung gebracht

Medikamente wie das Herceptin, Affinitor, Avastin, Lapatinib und andere gehören zu unserem neuen Arsenal und haben innerhalb der letzten zwei Jahre den Weg in den Alltag gefunden.

Auch hier spielt die Selektion der Patientinnen vor Therapiebeginn eine entscheidende Rolle. In Deutschland wurde das uPA/PA1-System entwickelt und inzwischen international anerkannt etabliert. Weitere Systeme werden in großen klinischen Studien überprüft (Oncotype DX, Endopredict).

In Deutschland etablierten Brustzentren mit ihrem exzellenten Zertifizierungs- und Überwachungssystem hat dazu geführt, dass heute der Großteil aller Brustkrebspatientinnen die Chance hat, leitliniengerecht nach modernsten, wissenschaftlich evaluierten Kriterien behandelt zu werden. Diese Leitlinien wiederum unterliegen einem jährlich wiederholten Re-Evaluierungsprozess, in dem alle am der Behandlung des Brustkrebs beteiligten Fachgruppen beteiligt sind. Um dieses System beneiden uns unsere onkologischen Partnergesellschaften in anderen Ländern, auch wenn die Finanzierung der Brustkrebszentren im DRG-System in keiner Weise ausreichend ist. 

Die letzten Zahlen des Robert-Koch-Instituts belegen, dass der in Deutschland in den letzten 10 Jahren beschrittene Weg der Richtige ist: Denn obwohl die Inzidenz des Mammakarzinoms weiter steigt, können wir feststellen, dass die Mortalität an dieser bösartigen Erkrankung stetig abnimmt.

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