Kommission Wissenschaft und Forschung in Gynäkologie und Geburtshilfe
Stärkung von Forschungsstrukturen und Verbesserung der Forschungsbedingungen in der Frauenheilkunde
Die Kommission Wissenschaft und Forschung in Gynäkologie und Geburtshilfe ist das zentrale Gremium der DGGG zur Förderung präklinischer und translationaler Forschung in der Frauenheilkunde. Unter der Koordination von Prof. Dr. Martin Weiss (Tübingen) und PD Dr. Dr. Matthias Stope (Bonn) neu konstituiert, verfolgt sie das Ziel, wissenschaftliche Innovation durch interdisziplinäre Vernetzung zu stärken und Forschungserkenntnisse schneller in die klinische Versorgung von Frauen zu übersetzen. Die Kommission ist das offizielle wissenschaftliche Sprachrohr der DGGG gegenüber Öffentlichkeit und Politik.
Auftrag und Ziele
Forschung in der Gynäkologie und Geburtshilfe bedeutet: bessere Gesundheit für Frauen. Neue Erkenntnisse verbessern Prävention, Diagnostik und Therapie – und damit unmittelbar die Versorgung unserer Patientinnen. Gleichzeitig sind Wissenschaft und Innovationskraft die Visitenkarte einer erfolgreichen universitären Medizin und gemäß dem Humboldt’schen Bildungsideal unverzichtbar für die Ausbildung der nächsten Generation von Ärztinnen und Ärzten. In Zeiten des Fachkräftemangels konkurrieren wir zunehmend mit anderen Disziplinen um die besten Köpfe – wir können es uns nicht leisten, die Forschung in unserem Fach nicht nach Kräften zu fördern.
Die DGGG setzt mit der Kommission ein starkes Signal für eine strategische Wissenschaftsförderung und zukunftsweisende Forschungspolitik. Die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaften bilden eine essentielle Schnittstelle zwischen Forschung und Forschungspolitik. Es gilt, zukunftsweisende Themen zu identifizieren und deren strukturierte Förderung im Schulterschluss mit Politik und Förderinstitutionen voranzubringen.

Das Konzept der MED-NAT-Tandems
Zentrales Strukturelement der Kommission sind die sogenannten MED-NAT-Tandems. Jedes Tandem besteht aus einem klinisch-ärztlichen und einem experimentell-naturwissenschaftlichen Part. Dieses Prinzip bildet sich von der Koordinationsebene bis in die Vertretungen der einzelnen Arbeitsgemeinschaften ab.
Die enge Verzahnung von klinischer Anwendung und Grundlagenforschung erleichtert Neuartigkeit, Innovation und hohe Qualität von Forschungsansätzen. Sie soll zu mehr hochwertigen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen, die gut publizierbar sind und eine bessere Finanzierung weiterer Forschungsprojekte ermöglichen. Das MED-NAT-Tandem erhöht die Sichtbarkeit und Notwendigkeit experimenteller Forschung in der Frauenheilkunde und schafft ein Bewusstsein dafür, dass Life Science eine tragende Rolle in der modernen gynäkologischen Forschung spielt – und dass es entsprechend attraktive Arbeits- und Karrierebedingungen für Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler braucht.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Forschungsleistung im Vergleich: solide, aber nicht spitze
Eine bibliometrische Analyse zur Publikationssituation, Drittmittelakquise und Demografie wissenschaftlich tätiger Ärztinnen und Ärzte in der deutschen Frauenheilkunde (Häussler et al., Geburtshilfe Frauenheilkd 2024; 84(04): 346–356) zeigt: Die wissenschaftliche Leistung der deutschen Gynäkologie und Geburtshilfe ist im nationalen Vergleich mit Urologie und Unfallchirurgie sowie international gegenüber Frankreich, Großbritannien und den USA zwar positiv zu bewerten – bleibt aber eher durchschnittlich. Die Studie identifiziert klare Stellschrauben, an denen die Kommission gezielt ansetzt.
Größe und Struktur entscheiden – die Kommission vernetzt
Die Forschungsleistung steigt mit der Größe einer Einrichtung, und erfahrene Senior-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler sowie Strukturen wie Comprehensive Cancer Centers oder internationale Kooperationen beeinflussen die Pro-Kopf-Publikationsleistung positiv. Genau hier setzt die Kommission an: Sie schafft Vernetzung über Standorte und Disziplinen hinweg. Treffen, Symposien und ein höherer Anteil strukturierter Forschungsinhalte auf dem DGGG-Kongress bringen erfahrene Expertinnen und Experten mit Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern zusammen. Gemeinsam konzipierte Projektanträge im MED-NAT-Tandem schaffen wissenschaftliche Synergien, die einzelne Standorte allein nicht erreichen.
Strukturelle Ungleichheit abbauen – Frauen in der Forschung stärken
Die Analyse zeigt ein weiteres drängendes Problem: Hohe Dienstbelastung und familiäre Aufgaben wirken sich negativ auf die Publikationsleistung aus – und treffen Ärztinnen in besonderem Maße. Die geringere Pro-Kopf-Publikationsleistung von Assistenz-, Fach- und Oberärztinnen im Vergleich mit männlichen Kollegen ist kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem. Erst auf Ebene der Klinikdirektorinnen und -direktoren verschwindet dieser Unterschied.
Die Kommission macht es sich zur Aufgabe, diese strukturellen Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und gezielt abzubauen. Frauenförderung in Forschung und Wissenschaft ist kein Randthema, sondern eine Voraussetzung dafür, das volle wissenschaftliche Potenzial unseres Fachs auszuschöpfen. Strukturierte Karrierepläne, Stipendien, Mentorenprogramme und familienfreundliche Rahmenbedingungen für Forschungstätigkeit sind zentrale Instrumente, um Forschungskarrieren für alle zu ermöglichen und den wissenschaftlichen Nachwuchs langfristig an unser Fachgebiet zu binden.
Struktur und Zusammensetzung
Die Kommission wird durch einen ärztlichen und einen naturwissenschaftlichen Koordinator geleitet. Jede der neun DGGG-Arbeitsgemeinschaften entsendet zwei Vertreterinnen oder Vertreter in den Beirat – jeweils eine ärztliche Vertretung sowie eine Vertretung aus dem naturwissenschaftlichen Bereich, entsprechend dem Konzept des MED-NAT-Tandems. Ergänzt wird der Kommissionsbeirat durch Vertreterinnen und Vertreter aus den DGGG-Kommissionen für Weiterbildung, NKLM, Finanzierung sowie dem Jungen Forum.
Koordination
Ärztlicher Koordinator: Prof. Dr. med. Martin Weiss, Tübingen
Naturwissenschaftlicher Koordinator: PD Dr. Dr. Matthias Stope, Bonn
Beirat der DGGG-Kommissionen und der DGGG-Arbeitsgemeinschaften
Dr. C. Curtaz (Würzburg), PD Dr. F. Recker (Bonn), Dr. J. Andress (Tübingen), Dr. J. Jeschke (Münster), Prof. Dr. M. Hübner (Freiburg), PD Dr. J. Jückstock (Bayreuth), Dr. P. Finzer (Düsseldorf), Prof. Dr. F. v. Versen-Höynck (Hannover), Dr. D. Baston-Büst (Düsseldorf), Dr. K.-G. Noe (Dormagen), Dr. O. Jurjut (Bensheim), Prof. Dr. N. Sänger (Bonn), Dr. R. Einenkel (Bonn), Prof. Dr. S. Mechsner (Berlin), Prof. Dr. V. Bjelic-Radisic (Wuppertal), Prof. Dr. U. Schäfer-Graf (Berlin), Prof. Dr. T. Groten (Köln), Prof. Dr. A. Hartkopf (Tübingen), PD Dr. J. Maurer (Aachen), Prof. Dr. M. Götte (Münster), Dr. A. Koch (Tübingen)
Weiterführende Informationen: Stope MB, Weiss M. Neue „Kommission Wissenschaft und Forschung in Gynäkologie und Geburtshilfe“. FRAUENARZT 2025; 66(6): 444–446.
Kontakt:
Prof. Dr. med. Martin Weiss
Eberhard Karls Universität Tübingen
Department für Frauengesundheit
Calwerstraße 7
72076 Tübingen
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