Das historische Objekt im Fokus
Längst vergessen, doch noch nicht lange her…
„Sonderdruckanforderungen“ per Postkarte im vordigitalen Zeitalter
Akribische Literaturrecherchen gehören zu jeder wissenschaftlichen Arbeit, um vergleichend den „Stand der Dinge“ zu analysieren, neue Ideen zu entwickeln und Irrwege zu vermeiden. Heute sucht man Zitationen relevanter Publikationen per Internet auf wissenschaftlichen Informationsplattformen wie PubMed, kann über entsprechende Links von dort – falls verfügbar – die dazugehörigen Volltexte direkt herunterladen oder sie alternativ bequem als PDF von den Verfassern anfordern. Dies gestaltete sich früher nicht so einfach – und dieses „Früher“ endete erst vor 30 Jahren.
Ältere Autorinnen und Autoren kennen noch die voluminösen Folianten des „Index Medicus“, die im vordigitalen Zeitalter die Basis wissenschaftlicher Literaturrecherche darstellten. In diesen zwischen 1879 und 2004 von der U.S. National Library of Medicine (NLM) herausgegebenen Verzeichnissen, die in Bibliotheken verfügbar sind, mussten Zitationen passender gedruckter wissenschaftlicher Arbeiten in nicht selten stundenlangem Blättern mühsam händisch über Stichworte ermittelt werden. War man fündig geworden, galt es immer noch, auch ein Exemplar des Journals zu finden, in dem die Arbeit erschienen war.
Letzteres konnte sich vor allem in der DDR schwierig gestalten. Sie verfügte zwar über ein relativ breites Angebot wissenschaftlicher Zeitschriften aus dem „nichtsozialistischen Ausland“, doch die Titel waren teilweise über die Bibliotheken des Landes verstreut, d.h. ein bestimmtes Journal gab es beispielsweise nur in Rostock, Leipzig oder Berlin. Es konnte auch sein, dass das gesuchte Printmedium überhaupt nicht vorhanden war, weil der allgegenwärtige Devisenmangel ein Abonnement nicht zulies.
In diesen Fällen konnte die „Sonderdruckanforderung“ hilfreich sein. Mit dem dargestellten Formular in Form einer Postkarte wurden Kolleginnen oder Kollegen direkt angeschrieben, um Separata von ihren wissenschaftlichen Fachartikeln aus Zeitschriften zu erbitten (Abb. 2). Dabei handelte es sich um vom Verlag zur Verfügung gestellte, meist typografisch unveränderte Einzelabdrucke eines in einer Zeitschrift oder Aufsatzsammlung erschienen Artikels. Zwei typische Kennzeichnungen für die Herkunft von Separata aus der gynäkologischen Fachliteratur zeigt Abb. 1.
In der persönlichen Erinnerung bleibt die dankbare Freude, wenn einige Zeit nach einer Sonderdruckanforderung die gewünschte Arbeit aus Nah oder Fern tatsächlich im eigenen Postfach lag – besonders dann, wenn sie auch noch eine Widmung der Autorin oder des Autors zierte.
Andreas D. Ebert
Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/PubMed (letzter Zugriff 5.4.2026)
https://de.wikipedia.org/wiki/Sonderdruck (letzter Zugriff 5.4.2026)
ChatGPT-Recherche mit Eingabe der technischen Kennzeichnung der Anforderungskarte (5.4.2026)


