Das historische Objekt im Fokus

Ein besonderes Erinnerungsstück: 
Die „Totenhand“ von Josef (von) Halban (1870-1937)

Während Totenmasken von der Antike bis in die Gegenwart als Objekte der Verehrung oder Erinnerung vielseitig beschrieben sind, ist über aus womöglich vergleichbarer Intention angefertigte Abdrücke von den Händen Verstorbener nur wenig bekannt. Von daher kann der abgebildete Bronzeabguss der rechten Hand des österreichischen Gynäkologen Josef Halban als ein besonderes museales Objekt betrachtet werden. 

Der über zwei Kilogramm schwere Bronzeabguss war ein Geschenk der Halban-Tochter Désirée von Halban-Saher (1912-1996) an den Medizinhistoriker Hans H. Simmer (1926-2006), der sich intensiv mit dem Werk Halbans beschäftigt hat. Das Objekt befindet sich jetzt im Besitz der Medizinischen Sammlung der Universität Erlangen-Nürnberg, ohne dass bisher Näheres über seine Entstehungsgeschichte bekannt ist.

Josef Halban gehörte zu den bedeutendsten Frauenärzten der Wiener Medizinischen Schule des 20. Jahrhunderts. Er hat Grundlegendes zur Endokrinologie der Fortpflanzung beigetragen: Jahrzehnte vor der chemischen Darstellung der Ovarialhormone postulierte er 1899 nach einschlägigen Experimenten eine innere Sekretion der Ovarien als Ursache von Menstruation und Uteruswachstum,1904 und 1905 legte er in zwei großen Arbeiten dar, dass auch der Plazenta die Fähigkeit zur inneren Sekretion zugesprochen werden müsse.

Neben seiner Tätigkeit als Grundlagenforscher war Halban als Schüler von Friedrich Schauta (1849-1919) ein erfolgreicher Kliniker und Operateur. Zusammen mit Ludwig Seitz (1872-1961) gab er in den 1920er Jahren ein neunbändiges Handbuch zur „Biologie und Pathologie des Weibes“ heraus. Nicht zuletzt durch seine Ehe mit der berühmten Opernsängerin Selma Kurz spielte der weltmännisch auftretende, künstlerisch ambitionierte „schöne Halban“ in der Wiener Gesellschaft eine wichtige Rolle. 

Wolfgang Frobenius

Literatur:
Simmer, Hans H. Josef Halban (1870-1937). Pionier der Endokrinologie der Fortpflanzung. Wien Med Wochenschr 1971; 121: 549-552.
Halban, Dési (Hrsg): Selma Kurz. Die Sängerin und ihre Zeit. Belser: Stuttgart und Zürich 1983. 

Med. Sammlung Univ. Erlangen-Nürnberg
Abb. Die "Totenhand" von Josef Halban