Die Historische Kommission der DGGG

Die Historische Kommission in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) fördert die sachkundige und kritische Beschäftigung mit allen Aspekten der Geschichte der Gynäkologie und Geburtshilfe. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der 1885 gegründeten Fachgesellschaft und der in ihr handelnden Mitglieder. Wir regen einschlägige Forschungen an, unterstützen sie und führen sie selbst durch. Gerne stehen wir Ihnen in diesem Zusammenhang auch als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen.“

Golo Mann

Das historische Objekt im Fokus

Wissensaustausch im Kalten Krieg

Auch wenn Reisen und Kommunikation über den eisernen Vorhang hinweg mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden waren, fand ein reger Austausch zwischen Forschern/-innen auf beiden Seiten statt. Für die Frauenheilkunde bildeten dabei "The Baltic Conferences on Obstetrics and Gynecology", die von 1986 bis 2001 acht Mal in Ostseestaaten stattfanden, ein zentrales Forum. Stig Kullander (Malmö) und Kurt Semm (Kiel) initiierten 1986 die erste dieser Konferenzen an der Wilhelm-Pieck-Universität in Rostock. Wie auch die Veranstaltungen der folgenden Jahre wurde dieses Treffen maßgeblich von westlichen Pharmafirmen finanziert. Die Konferenzen waren durchaus erfolgreich darin, ein grenzüberschreitendes Forschungsnetzwerk in Nord- und Osteuropa aufzubauen. Dies zeigt sich an deutlich wachsenden Teilnehmerzahlen im Laufe der Jahre. Bereits 1989 umfasste das Programm der damals in Gdansk stattfindenden Konferenz über 60 Vorträge von mehr als 200 Wissenschaftlern/-innen aus verschiedenen Ostseestaaten.

Teilnehmer dieser Konferenzen berichten von einem lebhaften Austausch auch über den Rahmen der Treffen hinaus. Es entstanden gemeinsame Publikationen, und auch zum Austausch von Material und Gerätschaften wurden die Konferenzen genutzt. So übergab die schwedische Delegation 1989 ein Ultraschallgerät an polnischen Kollegen. Auch wenn die "Baltic Conferences" erfolgreich darin waren, ein nordosteuropäisches Netzwerk unter Gynäkologen/-innen aufzubauen, sahen sich die Teilnehmer/-innen durchaus mit Schwierigkeiten konfrontiert: Insbesondere Wissenschaftler/-innen aus dem Ostblock kämpften mit bürokratischen Hürden. Nicht immer wurden Reisen genehmigt.

Mit der Liberalisierung des Reiseverkehrs in den 1990er Jahren gewannen internationale Konferenzen an Attraktivität. Nach 2001 wurde das Format der „Baltic Conferences on Obstetrics and Gynecology“ nicht fortgeführt. Für die Zeit ihres Bestehens ist jedoch fraglos, dass diese Zusammenkünfte eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen Ost und West sowie ein Motor der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit waren.

Literatur
Hansson, N. (2022), Opportunities and challenges for scientific exchange in the Baltic Sea region: Lessons from the Baltic conferences on obstetrics and gynecology (1987–2001). Acta Obstet Gynecol Scand, 101: 844-845. https://doi.org/10.1111/aogs.14383 (open access).

 

 

 

Titel des Programms von 1987