Die Historische Kommission der DGGG

Die Historische Kommission in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) fördert die sachkundige und kritische Beschäftigung mit allen Aspekten der Geschichte der Gynäkologie und Geburtshilfe. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der 1885 gegründeten Fachgesellschaft und der in ihr handelnden Mitglieder. Wir regen einschlägige Forschungen an, unterstützen sie und führen sie selbst durch. Gerne stehen wir Ihnen in diesem Zusammenhang auch als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen.“

Golo Mann

Das historische Objekt im Fokus

 

Ein Gravidarium für Laien
aus den 1930er Jahren

Da die Berechnung des voraussichtlichen Geburtstermins mit Hilfe der von Naegele 1812 angegebenen „Formel“ relativ umständlich ist, wurden schon im Verlauf des 19. Jahrhunderts neben entsprechenden Tabellen in geburtshilflichen Lehrbüchern auch handliche Rundscheiben, sog. Gravidarien, aus Papier oder Pappe entwickelt. Diese bestanden aus mindestens zwei beweglichen Scheiben, auf denen Tage, Wochen und Monate eines Kalenderjahres aufgedruckt waren.  Oft waren auf den Scheiben auch wichtige Informationen für den Verlauf der Schwangerschaft oder mögliche ärztliche Maßnahmen zu finden. Dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts solche kreisförmigen Schwangerschaftskalender auch Bestandteil von Hebammenlehrbüchern waren, trug sicher zur weiteren Verbreitung der „Rechenscheiben“ auch in Laienkreisen bei.

Das hier präsentierte Gravidarium ist eine der Beilagen zu dem Kompendium „Wissen und Können. Hochschule des praktischen Lebens“ (1933), das in umfassender Form medizinisches und pädagogisches Wissen für Laien präsentiert.

Das Gravidarium (Durchmesser 18,5 cm) besteht auf der Vorderseite (Abb. oben) zwei konzentrischen weißen Pappscheiben, die in schwarzer und dunkelblauer Schrift bedruckt sind. Die äußere Scheibe zeigt die 12 Sternzeichen sowie die Monate und Tage eines Jahres an, die kleinere den Beginn der Periodenblutung, die empfängnisfreie und die Empfängniszeit. Eine dritte Ebene bilden drei Zeiger: Einer zum Einstellen der letzten Regel, ein zweiter im Winkel von 130° zum ersten zur Bestimmung des Zeitpunkts erster Kindsbewegungen und ein dritter, in einem Winkel von 140° zum zweiten, für den voraussichtlichen Tag der Geburt ergänzt durch einen Teilhalbkreis, der die „mögliche Geburtszeit“ (+/- 50 Tage um den errechneten Termin) anzeigt. Auf der Rückseite der Scheibe (Abb. unten) wird die Handhabung des Gravidariums in wenigen Sätzen erklärt.

 

Literatur

David M, Ebert AD Schwangerschaftsdosen, Kalendertische, Geburts-Tafeln und Volvellen – Anmerkungen zur Geschichte des Gravidariums. Geburtsh Frauenheilk 2022; 82: 265-268.

Wirtschaftliche Vereinigung für neuzeitliche Lebenskunde und rationelle Haushaltführung. Wissen und Können. Hochschule des praktischen Lebens. Hutter, Wien 1933 (Beilage)

Quellenangabe

Das hier präsentierte Objekt stammt aus der Sammlung von M. David (Fotos: M. David).