Die Historische Kommission der DGGG

Die Historische Kommission in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) fördert die sachkundige und kritische Beschäftigung mit allen Aspekten der Geschichte der Gynäkologie und Geburtshilfe. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der 1885 gegründeten Fachgesellschaft und der in ihr handelnden Mitglieder. Wir regen einschlägige Forschungen an, unterstützen sie und führen sie selbst durch. Gerne stehen wir Ihnen in diesem Zusammenhang auch als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen.“

Golo Mann

Das historische Objekt im Fokus

1951: Japanische Ehrenplakette für Professor Kraatz

Durch eine Schenkung - die näheren Umstände sind unklar - gelangte dieses Objekt aus dem Nachlass des DGGG-Ehrenmitglieds Prof. Dr. Helmut Kraatz (1902-1983) in die Sammlung der Jenaer Universitäts-Frauenklinik. Die wahrscheinlich aus Bronze bestehende Ehrenplakette hat einen Durchmesser von 10,5 cm und ein Gewicht von 648 g. Das gegossene Relief mit dem Motiv einer stillenden Mutter befindet sich auf einer 8 mm hohen Platte. Das Hauptmotiv wird kreisförmig vom ebenfalls erhabenen Schriftzug "The Japanese Obstetrical & Gynecological Society" umrahmt. Auf der Rückseite der Plakette befindet sich eine Gravur: "Presented to Prof. Dr. H. Kraatz in Appreciation for the Special Speek made before the 9th Annual Meeting, Sapporo, June 26-28. 1957". 

Helmut Kraatz, Schüler, leitender Oberarzt und schließlich Nachfolger von Walter Stoeckel (1871-1961), leitete von 1951 bis 1970 die (Ost-)Berliner Universitäts-Frauenklinik in der Tucholskystraße und galt seinerzeit als einer der wichtigsten und einflussreichsten Gynäkologen der DDR. Neben zahlreichen Fachpublikationen und einem Band mit Reden hat Kraatz, wie sein Vorbild Stoeckel, eine Autobiographie hinterlassen. Sie trägt den Titel "Zwischen Klinik und Hörsaal. Ein Frauenarzt sieht sich in seiner Zeit" (1. Auflage 1977).

 

 

Abb. links: Vorderseite der Plakette, die sich in einem mit violettem Samt bezogenen, vorn offenen aufstellbaren Kirschholzständer befindet. Rechts: Rückseite der Plakette mit Gravur (Fotos: M. David)

In dem Buch findet sich unter "Biographische Daten" mit indirektem Bezug zu dem Vortrag in Sapporo der Vermerk "1957 - Vortragsreisen in die UdSSR und nach Ostasien (Türkei, Indien, Thailand, Japan)". Im Kapitel "Neubeginn und Wandel" wird ein Tee-Empfang durch einen Shinto-Priester im japanischen Nara beschrieben. Dies dürfte für den Leser in der damaligen DDR sehr exotisch gewirkt haben. Es zeigte gleichzeitig das besondere Privileg, das Kraatz genoss - die Freiheit, in Länder außerhalb des Warschauer Paktes reisen zu dürfen.