29.01.2016 13:23 Alter: 122 Tage

Risikofaktor Zika-Virus für Ungeborene

Rubrik: Pressemitteilungen

Fragen und Antworten zum Zika-Virus und zu Fernreisen für Schwangere

Berlin, 29. Januar 2016. Aktuell zirkulieren Zika-Viren u.a. in Brasilien, Kolumbien, Mexiko sowie anderen südamerikanischen Ländern. Reisen in die betroffenen Länder Lateinamerikas sind nach dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) „möglichst zu vermeiden“. Schwangere müssen sich in den Ausbruchgebieten konsequent vor Mückenstichen schützen. Das von der asiatischen Tigermücke übertragene Zika-Virus steht im Verdacht, Schädigungen des Zentralnervensystems bei Ungeborenen zu verursachen.

Seit Oktober 2015 wurden nur in Brasilien mehr als 11.000 Ansteckungen mit Zika-Viren nachgewiesen, wie das Gesundheitsministerium des Landes mitteilte. Parallel wurde ein sprunghafter Anstieg von Hirn-Fehlbildungen (Mikrozephalie) bei Säuglingen verzeichnet. Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Zika-Virus erscheint wahrscheinlich.

In Kolumbien wurden bislang 560 nachweislich mit dem Zika-Virus infizierte Schwangere registriert. Mehr als 100 hätten ihre Kinder bereits zur Welt gebracht. Mikrozephalie-Fälle seien dabei bisher nicht bekannt geworden. Möglicherweise würden neurologische Schäden aber erst innerhalb der nächsten Monate festgestellt.

Professorin Annegret Geipel und Professor Holger Stepan, Vertreter der Pränatal- und Geburtsmedizin im wissenschaftlichen Programmkomitee des 61. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshil-fe e.V. (DGGG), beantworten hier wesentliche Fragen:

Worin besteht die Gefahr, wenn Schwangere mit dem Zika-Virus infi-ziert werden?
Prof. Geipel: „Wir nehmen an, dass der Erreger bei Feten im Mutterleib zu Fehlbildungen des zentralen Nervensystems führen kann, insbesondere zu einer sogenannten Mikrozephalie. Mikrozephalie ist eine Hirnfehlbildung, bei der Feten oder Neugeborene einen zu kleinen Kopf (und ein zu kleines Hirnvolumen) aufweisen, geistige Behinderungen oder neurologische Störungen können die Folge sein. Wenn bei einem Neugeborenen eine Mikrozephalie festgestellt wird, kann das allerdings verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Zytomegalieinfektion während der Schwangerschaft oder eine Chromosomenstörung.“

Wie sollten sich Schwangere verhalten?

Prof. Geipel: „Wir empfehlen Schwangeren grundsätzlich, sich vor einer Reise medizinisch beraten zu lassen. Eine pauschale Reisewarnung für Schwangere wird allerdings von Seiten des DTG nicht ausgesprochen. Wenn schwangere Frauen bereits in betroffenen Gebieten unterwegs waren, sollten sie ihren Frauenarzt bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung darauf hinweisen.“ Eine Zika-Virus Diagnostik kann beispielsweise über das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg veranlasst werden.

Gibt es schon Fälle von Fehlbildungen bei Neugeborenen, die auf das Zika-Virus zurückgeführt werden können?

Prof. Stepan: „Im Januar wurde der erste Fall von Hirnschäden bei einem Neugeborenen in den USA bekannt, die in direktem Zusammenhang mit einer Zika-Virus-Infektion der Mutter stehen. Die Mutter hielt sich während ihrer Schwangerschaft in Brasilien auf, wo die Gesundheitsbehörden zu der Zeit vermehrt Zika-Virus-Infektionen verzeichnet haben. Die Mutter hat sich möglicherweise durch einen Insektenstich mit dem Virus infiziert, der die Hirnentwicklung des Ungeborenen geschädigt hat.“

Haben Sie Tipps für Fernreisen während der Schwangerschaft, was sollte beachtet werden?

Prof. Stepan: „Die aktuellen Warnungen des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) sind zu beachten. Diese werden ständig aktualisiert. Ausbruchsgebiete können z.B. über folgende Webseite abgerufen werden:

www.paho.org/zikavirus.

Schwangere sollten von Reisen in Ausbruchsgebiete möglichst absehen. Rechtzeitig vor geplanten Reisen sollten werdende Mütter mit ihrem behandelnden Frauenarzt oder einem Reisemediziner über mögliche Risiken sprechen. Als Faustregel für entsprechende Fernreisen in der Schwangerschaft gilt, auf die Vermeidung von Mückenstichen und somit einer Infektion zu achten, da derzeit keine spezifischen Therapien oder Impfungen gegen das Zika-Virus zur Verfügung stehen.“

Welches Risiko besteht für Schwangere in Deutschland?
Prof. Geipel: „Eine Verbreitung des Virus durch eingeschleppte Fälle ist nicht wahrscheinlich, da die Überträgermücken in Deutschland praktisch nicht vorkommen und eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht beschrieben ist.“

Weitere Informationen sowie das Programm des 61. DGGG-Kongresses vom 19.-22. Oktober 2016 in Stuttgart finden Sie hier:
http://dggg2016.de/de/Startseite/index.html

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Anja Frohloff
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