Weltweit 2,6 Millionen Totgeburten pro Jahr

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Berlin, im

Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht Serie mit aktuellen Daten und Fakten/ Hebammenwissenschaft der MHH koordinierte Erhebung im deutschsprachigen Raum  

Weltweit sterben jährlich 2,6 Millionen Kinder vor der Geburt. 98 Prozent dieser Totgeburten kommen in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen vor. Die Hälfte der tot geborenen Kinder stirbt während der Geburt. Die meisten Totgeburten ereignen sich in den südlichen Staaten Afrikas und in Südostasien. An erster Stelle stehen Pakistan mit 4,3 Prozent, Nigeria mit 4,2 Prozent und Tschad mit 3,9 Prozent. Deutschland liegt mit einer Rate von 0,24 Prozent Totgeburten in einem sehr guten Bereich. Diese Zahlen stammen aus dem Lancet. Die weltweit renommierte medizinische Fachzeitschrift veröffentlichte jetzt in London eine Serie mit fünf Publikationen zum Thema Totgeburten. Der Veröffentlichung liegt eine Studie der International Stillbirth Alliance (ISA) zugrunde. Die Fragebogenerhebung im deutschsprachigen Bereich wurde federführend von den Hebammen Professorin Dr. Mechthild Groß und Sabine de Wall aus der Arbeitsgruppe Hebammenwissenschaft der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) koordiniert.  

Als Totgeburt definiert die World Health Organization (WHO) Neugeborene ohne Lebenszeichen, die mehr als 1000 Gramm wiegen oder nach 28 vollendeten Schwangerschaftswochen geboren werden. International versteht man unter Totgeburten die Geburt von Kindern, die während der letzten drei Monate einer Schwangerschaft im Mutterleib sterben. In Deutschland wird die Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht von 500 g oder mehr, das zum Zeitpunkt der Geburt keines der drei Lebenszeichen Herzaktion, Nabelschnurpuls oder Lungenatmung zeigt, als Totgeburt bezeichnet.  

Die Fachzeitschrift Lancet beschäftigt sich in der Serie unter anderem mit der Entwicklung in den vergangenen Jahren, mit den Totgeburtenraten in 195 Ländern, mit ökonomischen und psychosozialen Konsequenzen, mit den anstehende Aufgaben in den Industrieländern sowie mit vermeidbaren Todesfällen und dem aktuellen Handlungsbedarf für Gesundheitsfachpersonal und Interessenvertretungen bis zum Jahr 2030. Zu den Risikofaktoren für eine Totgeburt zählen in den Industrieländern vor allem Übergewicht und Rauchen im gebärfähigen Alter. „In diesen beiden Punkten gegenzusteuern gehört daher zu den wichtigen Strategien in den hoch entwickelten Ländern“, erklärt Professorin Groß.  

„Hinter jedem Tod steht eine Geschichte“, sagt Professor Dr. Alex Heazell von der Universität Manchester in London. Nach dem Tod ihres Kindes zeigen Eltern viele verschiedene psychologische Symptome. Totgeburt kann zu sozialer und psychologischer Isolation führen, gefolgt von Depression. Weltweit haben ungefähr 4,2 Millionen Frauen Depressionen, die mit einer vorangegangenen Totgeburt in Verbindung gebracht werden. All dies kann beträchtliche Belastungen nach sich ziehen – auch wirtschaftliche. Während in vielen niedrig entwickelten Ländern Totgeburten durch verbesserte Strukturen im Gesundheitssystem vermeidbar sind, gilt es, in den hoch industrialisierten Ländern weiterhin die Betreuung der Eltern und Familien zu verbessern.  

Zukünftig soll die Totgeburtsrate als Merkmal für Qualität und Gleichheit in der Gesundheitsbetreuung in möglichst vielen Ländern ermittelt werden. Das Statistische Bundesamt erhebt neben den Lebendgeborenen bereits alle Totgeborenen. „Es ist erfreulich, dass die totgeborenen Kinder in den öffentlichen Statistiken in Deutschland sichtbar sind“, stellt Professorin Groß fest.  

Die International Stillbirth Alliance (ISA), die mit der AG Hebammenwissenschaft der MHH zusammen arbeitet, hatte für die Studie Fragebögen zur Betreuungsqualität für Eltern, Gesundheitsfachpersonen und der Gesellschaft erarbeitet. Der Deutsche Hebammenverband (DHV), die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) haben die Erhebung durch Mitteilung an ihre Mitglieder unterstützt. Von weltweit 4.184 Antworten der Eltern kamen 206 aus Deutschland. Gesundheitsfachpersonen waren aus Deutschland mit 355 vertreten.

Detaillierte Informationen über die Lancet-Serie finden Interessierte unter www.stillbirthalliance.org/news/lancet-series-launch/. Ansprechpartner für betroffene Eltern ist unter anderem der Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V., http://www.veid.de.

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