Adipositas und Diabetes - lebenslange Auswirkungen für Mutter und Kind?!

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Berlin, im

Prof. Dr. med. Frank Louwen, Vorstandsmitglied der DGGG, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe und Pränatalmedizin (AGG), Leiter des Funktionsbereichs Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt a.M.

Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 (Insulinresistenz; Typ2-DM) nehmen  in den industrialisierten Ländern signifikant zu. Betroffen sind auch Kinder unter 12 Jahren.  Eine Entstehung des Typ2-DM bei Kindern allein aufgrund einer hyperkalorischen Ernährung ist nicht anzunehmen. Studien zeigen eine strenge Korrelation zwischen mütterlicher Adipositas, Ernährung in der Schwangerschaft, mütterlichem Typ2-DM und Nikotinabusus mit einer signifikanten Risikoerhöhung für das ungeborene Kind. Die Risiken betreffen nicht nur intrauterine und schwangerschaftsbezogene Komplikationen, sondern insbesondere auch eine signifikante Risikoerhöhung, früh selbst an Adipositas und Typ2-DM zu erkranken. Von einer intrauterinen Prägung des Feten („fetal programming“) wird ausgegangen.  Die Hypothese von David Barker, dass adulte Erkrankungen ihre Ursache in der fetalen Periode insbesondere auch durch Umwelt und Ernährung der Mutter haben, hat sich für Adipositas, Insulinresistenz und Hypertension epidemiologisch bestätigt. Neue Studien belegen einen Einfluss des Geburtsmodus auf kindliche Erkrankungen wie Asthma, Diabetes mellitus Typ1, onkologische Erkrankungen und auf die Epigenetik neonataler Stammzellen. metabolisches Syndrom, Adipositas oder Herz-/Kreislauferkrankungen zu entwickeln, gemein?  Und was hat das alles mit dem Kaiserschnitt zu tun?  Die geburtshilfliche Forschung hatte sich anfangs auf die Weiterentwicklung der geburtshilflichen Kunst, später auf die Reduktion mütterlicher Morbidität und Mortalität und in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts besonders auf die Reduktion der perinatalen Morbidität und Mortalität fokussiert. Noxen wurden ebenso mit der perinatalen und neonatalen Morbidität korreliert wie maternale Risikofaktoren, insbesondere mütterliche Erkrankungen oder auch Adipositas. Die Mutter als Umwelt des Feten mit nachhaltigen Folgen für spätere Morbiditätsrisiken wird gemeinhin auf Publikationen von David Barker zurückgeführt [4]. David Barker entdeckte den Zusammenhang zwischen Geburtsgewicht und dem Risiko, später im Leben einen Herzinfarkt zu erleiden. Das Risiko steigt umgekehrt proportional zum Geburtsgewicht. Spätere Studien zeigten gleiche Effekte bezüglich der Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 und einer Hypertension sowie auch von Schlaganfällen im späteren Leben. Immer wieder wird auch auf die §§§Veröffentlichungen aus den? §§§ 1970er Jahre und die Etablierung des Begriffes einer perinatalen Programmierung durch den Berliner Arzt Prof. Günter Dörner verwiesen.  Unter dem Begriff „perinatale“ oder „fetale“ Programmierung werden heute neben epidemiologischen auch tierexperimentelle und zunehmend molekularbiologische Forschungsinhalte zusammengefasst, die den Einfluss der Schwangerschaft und des Geburtsmodus auf die zukünftige Gesundheit im Kindes- und Erwachsenenalter untersuchen. Die Anzahl der Publikationen zum Thema und die Themenfelder expandieren seit einer Dekade, exemplarisch dargestellt an vier Themenfeldern soll der zukünftige Einfluss auf die Therapieentscheidungen in der Geburtshilfe und Pränatalmedizin beleuchtet werden.   Geburtsgewicht  Epidemiologische Untersuchungen zeigen eine Beziehung zwischen dem Geburtsgewicht und dem Body-Mass-Index (BMI) in der Kindheit und im Erwachsenenalter. Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2000 g haben ein 6,6-fach höheres Risiko für eine gestörte Glukosetoleranz im Vergleich zu Kindern mit einem Geburtsgewicht über 4,5 kg. Die Prävalenz für ein metabolisches Syndrom im späteren Leben fällt kontinuierlich mit steigendem Geburtsgewicht, die entsprechende Odds Ratio für ein metabolisches Syndrom in den beiden Vergleichsgruppen liegt bei 18 (95%-Konfidenzintervall: 2,6–118; [5]).   Fazit  – Die werdende Mutter beeinflusst mit ihrer Ernährung, ihrem Ernährungszustand und ihren Lebensumständen das Risiko des Kindes, im späteren Leben metabolisch, kardiovaskulär oder onkologisch zu erkranken.  – Der Kaiserschnitt scheint unser Erbgut epigenetisch zu beeinflussen.  – Diese Kenntnisse bedingen zukünftig eine Änderung unseres Handelns in der Schwangerenbetreuung.   Literatur  Beim Autor.    München, 8.10.2014.  Es gilt das gesprochene Wort. 

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