Nachruf Prof. Dr. Karl-Heinrich Wulf

Geb. 23. Januar 1928 in Kiel, gest. 5. Dezember 2016 in Würzburg

Mit Karl-Heinrich Wulf ist ein geschätzter Freund, begnadeter Lehrer und weitblickender Wissenschaftler im 89. zigsten Lebensjahr von uns gegangen. Er hat die Geburtshilfe in Deutschland durch seine Arbeiten in Kiel, Hannover und zuletzt in Würzburg maßgeblich geprägt. Wir haben ihm viel zu verdanken.  

Karl-Heinrich Wulf wurde am 23. Januar 1928 in Kiel geboren. 1955 begann er die Ausbildung zum Arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universitätsfrauenklinik Kiel unter Prof. E. Philipp. Den jungen engagierten Karl-Heinrich Wulf zog E. Philipp als Lehrer in seinen Bann. Zu gleicher Zeit war der Physiologe H. Bartels an der Universität in Kiel tätig. Das Zusammentreffen beider Forscher, dem Kliniker K.-H. Wulf und dem Naturwissenschaftler H. Bartels bildete eine ausgezeichnete Grundlage für die Erforschung des Gasaustauschs zwischen Mutter und Fetus in der Plazenta. „Der Gasaustausch in der reifen Plazenta des Menschen“ war dann auch 1962 das Thema seiner Habilitationsschrift. Diese Forschung führte ihn 1965 zu Studienaufenthalten an das Oxford-Nuffield Institute for Fetal Research zu dem bekannten Physiologen Geoffry Dawes und an das St. Mary’s Hospital, Department of Physiology zu A. St. G. Huggett in London. Diese internationalen Beziehungen waren zukünftig bestimmend für seine weitere wissenschaftliche und klinische Tätigkeit. Auf dem Gebiet der Plazentaphysiologie hat Wulf Grundlegendes zum Verständnis des Gasaustausches in der Plazenta erarbeitet. Sein besonderes Interesse galt aber auch der Überwachung des Kindes während der Geburt und der Adaptation des Neugeborenen in den ersten Lebensstunden.  

Am 1. Oktober 1969 folgte er dem Ruf an die Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover, später, am 1. April 1973 dem Ruf auf den Lehrstuhl der Universitäts-Frauenklinik und Hebammenschule in Würzburg. Seine Forschungen waren nicht ohne Einfluss auf die Organisation der geburtshilflichen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Durch die Erforschung spezieller Überwachungsverfahren während der Geburt und Schwangerschaft und durch die gezielte Anwendung der Fetalblutanalyse (Saling), der Herzfrequenzanalyse (Hon und Hammacher) und durch die Fortschritte in der geburtshilflichen Versorgung konnte die Perinatale Mortalität seit 1960 von ca. 5% auf 0,5% gesenkt werden.  

Die klinische und wissenschaftliche Tätigkeit hat in zahlreichen Publikationen, Monografien und Buchbeiträgen ihren Niederschlag gefunden. 

Seit den 70er-Jahren war die Neuorganisation der Geburtshilfe, die Regionalisierung, in Deutschland ein wichtiges Thema. Karl-Heinrich Wulf konnte als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatalmedizin 1970–1974 und als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) 1980–1982 sowie in zahlreichen Gremien und Kommissionen auf die Gestaltung der zukünftigen geburtshilflichen Versorgung in Deutschland wesentlichen Einfluss nehmen. Als Folge seines Engagements für die Gynäkologie und Geburtshilfe blieben zahlreiche nationale und internationale Ehrungen, Wissenschaftspreise, Ehrenmitgliedschaften und Präsidentenämter nicht aus. Die Auszeichnung mit der Carl-Kaufmann-Medaille durch die DGGG ehrt das Lebenswerk des herausragenden Klinikers, Forschers und Lehrers auf besondere Weise.   

Der akademische Geist der Klinik hat seine Mitarbeiter zu eigener wissenschaftlicher Tätigkeit angeregt, sodass sich unter Wulfs Führung viele Kollegen habilitieren konnten. Er war ein Lehrer, der seine Mitarbeiter in menschlicher, wissenschaftlicher und klinischer Beziehung durch persönliches Beispiel befähigt hat, die eigenen Wege zu gestalten. Es ist wohl im Wesentlichen seiner integrativen Fähigkeit zu verdanken, dass die Freundschaft der ehemaligen Oberärzte sich über viele Jahre gehalten hat. Bis kurz vor seinem Tod war er immer noch der Mittelpunkt einer harmonischen Runde seiner früheren Mitarbeiter, die sich regelmäßig zusammenfand. Sie sind dankbar für die ihnen zuteilgewordene Ausbildung und Führung. Sie erinnern sich gern an die gemeinsame klinische und wissenschaftliche Tätigkeit und danken für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen. 

Wir ehren Karl-Heinrich Wulf im Gedenken an eine wundervoll gemeinsam erlebte Zeit und an eine aktive erfolgreiche Phase gemeinsamen Schaffens. 

Für die Schüler:
Wolfgang Künzel und Volker Lehmann